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CENTRAL PARK
Wohlschmeckende Klangaromen mit progressivem Antrieb

Progrock-Freunde können sich diesen Monat ĂŒber das neue Album von CENTRAL PARK freuen. Die MĂŒnchener Band serviert auf „Reflected“ einen ebenso komplexen wie dynamisch progressiven Rock in bester ELP/Crimson-Manier, wobei der ausdrucksstarke Gesang der neuen Mikro-Frau Jannine Pusch das stilistische Repertoire zusĂ€tzlich erweitert. Sparrings-Partner von inHard war ARTUR SILBER (Drums). 

inHard: Der Austausch eines SĂ€ngers kann bei einer Band ziemlich problematisch sein, aber auch neue, den Sound befruchtende Impulse geben. Gerade im Progrock-Bereich gab es bei Bands wie King Crimson, Marillion und Genesis hierzu positive Beispiele. Bei Central Park habt ihr noch eine Ecke weiter gedacht und euren alten SĂ€nger gleich durch eine ebenso stimmgewaltige wie sensitiv-sinnliche SĂ€ngerin ersetzt. Wie habt ihr die tolle Stimme von Jannine Pusch entdeckt und wie kam es zur Zusammenarbeit?

Artur: ZunĂ€chst einmal ist wichtig zu wissen, dass wir uns von Heiko, der mittlerweile nach Köln gezogen ist, nur aus GrĂŒnden der weiten Entfernung getrennt haben. Unter diesen UmstĂ€nden war ein gemeinsames Entwickeln der neuen Songs nicht mehr machbar. Wir haben uns nur noch knapp vor den Gigs zum Proben getroffen, und es wurden immer nur die alten Songs gespielt. Dadurch fehlten seine wichtigen Ideen beim Entstehen neuer Songs, was logischerweise unsere Weiterentwicklung blockierte. Die Trennung war aber fĂŒr alle entspannt. Auf der Suche nach einem neuen Frontmann sind wir auf eine dieser „Musiker sucht Band“-Foren im Internet gelandet. Der Eintrag einer SĂ€ngerin, die eine progressive Band suchte, fiel uns natĂŒrlich sofort auf. Und dass Jannine sich am selben Tag drei Stunden vor unserer Internet-Suche eingetragen hat, kann einfach kein Zufall sein. Die Chemie stimmte, und Jannine hat uns durch ihre gesanglichen QualitĂ€ten sofort ĂŒberzeugt. So einfach geht das manchmal, kurzum: GlĂŒck gehabt!

inHard: Bei den StĂŒcken eurer neuen CD „Reflected“ hat Jannine fast alle Lyrics beigesteuert. Habt ihr zuerst eure komplexen, vielschichtigen, aber auch sehr melodischen Arrangements eingespielt und Jannine hat sich dann zu den Texten inspirieren lassen, oder wie seid ihr da vorgegangen?

Artur: Die neuen Songs sind nach der Trennung von Heiko relativ schnell entstanden, da Ideen hierfĂŒr schon reichlich vorhanden waren. Wir haben einfach viel experimentiert und gebastelt. Als Jannine zu uns kam, haben wir mit ihr im Studio intensiv gearbeitet. Da fĂŒr viele Songs noch keine festen Gesangslinien feststanden, konnte sie sich musikalisch wie textlich voll einbringen. Auch stilistisch kamen viele Ideen von ihr, da sie ja ein gutes StĂŒck jĂŒnger ist als wir und ihre Auffassung von Prog-Rock moderner ist als unsere. Diese EinflĂŒsse haben wir gerne angenommen, daher klingen wir sicher jĂŒnger als wir sind ...

inHard: Das unglaubliche Gesangstalent von Jannine wird insbesondere auf dem dreigeteilten, fast 22minĂŒtigen „Vision Of Cassandra“ deutlich, bei dem ihr die griechische Mythologie in die Moderne transportiert. Vielleicht kannst du mir hierzu etwas ĂŒber die Entstehung erzĂ€hlen?

Artur: Der Auslöser fĂŒr dieses Opus war eine Collage von Aniela Adams, einer befreundeten Meisterin der visuellen KĂŒnste. Diese Collage heißt „Vision Of Cassandra“ und ist auch im Booklet abgebildet. Als Jochen (Scheffter: Keyboarder) dieses Werk sah, wollte er es unbedingt musikalisch umsetzen. Dass wir wieder in der griechischen Sagenwelt gelandet sind, ist eher ein Zufall. Andererseits aber auch die konsequente Fortsetzung unseres Werkes „Don‘t Look Back“ auf dem ersten Album „Unexpected“. Damals ging es um die Tragödie von Orpheus und Eurydike. Cassandras Vision vom Untergang Trojas war fĂŒr uns eine enorme Herausforderung. Wer allerdings auf dreieinhalbminĂŒtigen Mainstream steht, sollte sich das aber besser nicht antun. Dieses StĂŒck erfordert Aufmerksamkeit, Phantasie und Konzentration.

inHard: Wie lange habt ihr an den Songs zu „Reflected“ gearbeitet? Löblich ist auch die saubere und luftige Produktion...

Artur: Die Entstehung der Songs dauerte etwa ein Jahr, die reine Aufnahmezeit lĂ€sst sich nicht beziffern. Jochen und ich haben ja seit 28 Jahren unser eigenes Studio. So haben wir in den Leerzeiten, in denen das Studio nicht gebucht war, immer wieder peu Ă  peu Dinge ausprobiert, aufgenommen, Ideen wieder verworfen, weiter gebastelt. Die Luftigkeit ergibt sich dann irgendwann automatisch, wenn man erkennt, dass „weniger“ mehr ist. FĂŒr das „Saubere“ steht sicher unser analoges Mischpult, das in der Klangbearbeitung doch immer noch mehr ermöglicht als irgendwelche Plug-ins im Rechner. Und natĂŒrlich unsere hochwertigen Mikrofone. Aber wir bringen sicher auch das nötige technische Know-How mit, wenn man ein Studio so lange Zeit professionell betreibt. Insgesamt dĂŒrften in der Summe aber circa drei Monate Produktionszeit angefallen sein.

inHard: Mir gefĂ€llt an eurer CD, dass ihr die Grenzen fĂŒr euren Art- und Progrock nicht zu eng absteckt. Die einzelnen Tracks entwickeln ein ganz unterschiedliches Klangaroma. Mal zaubert ihr wĂŒtende zappende Improvisationsmuster in bester ELP/Crimson-Manier aus dem Hut, dann ist melodischer Wohlklang angesagt. Der progressiv dynamische Antrieb hat auf „Reflected“ verschiedene ZĂŒndungsstufen, was den Hördurchlauf nicht nur bei dem genialen Opener „GunsRus“ und dem sehr ohrgĂ€ngigen, trippig theatralischen „Free Fall“ sehr abwechslungsreich gestaltet. Woher rĂŒhrt euer Hang zur unberechenbaren VariabilitĂ€t, dem bestimmten Moment, an dem die Balance kurzzeitig in ungewohnten Klangmustern verloren geht, nur um sich dann kurze Zeit spĂ€ter wieder zu einem logischen Ganzen zusammenzufĂŒgen?

Artur: Danke fĂŒr die Blumen, deine Bezeichnung „Klangaroma“ finde ich sehr schön. Unsere Unberechenbarkeit hat viele Ursachen. Erst einmal ist es uns wichtig, den „Wert“ von Musik zu erhalten, wobei der Begriff der Wertigkeit ja extrem dehnbar und natĂŒrlich subjektiv ist. Es gibt einen Song der Wise Guys mit der Textzeile „Das Leben ist zu kurz fĂŒr schlechte Musik.“  Das ist unsere Grundhaltung. Gegen formatierte radiotaugliche Musik ist ja nichts zu sagen, das ist aber nicht unser Ding. Andererseits freuen wir uns aber natĂŒrlich schon, wenn wir möglichst viele Menschen auf unsere musikalische Reise mitnehmen können. Wir machen Musik zum Spaß und mĂŒssen keine Kompromisse eingehen. Außerdem lieben wir das Aufeinanderprallen der rockigen Welt mit der klassischen sowie der hymnischen Welt mit der metallischen. Die Zeit im Studio wurde fĂŒr uns zum „Spiel ohne Grenzen“. So gesehen haben wir uns selbst beeinflusst und die unterschiedlichen Ideen der einzelnen Bandmitglieder respektiert, reflektiert und auf einen Nenner gebracht. Daher auch der Albumtitel „reflected“.

inHard: Habt ihr die neuen StĂŒcke denn auch schon live bei eurer Tour mit Pavlov's Dog performed?

Artur: SelbstverstĂ€ndlich. Wir hatten ja das neue Album im Merchandise-GepĂ€ck. Aber es gab auch ein „Best Of“ unserer alten Songs zu hören. Diese Mischung kam wirklich sehr gut an. Wir haben viele neue Fans dazu gewonnen, was wir auch am CD-Verkauf nach den Gigs merkten. In manchen StĂ€dten waren wir selbst ĂŒberrascht, wie offen uns die Konzertbesucher angenommen haben. Das ist bei einer Support-Band ja nicht immer so, denn die Fans kommen ja wegen „ihrer“ Band und finden alles andere eher lĂ€stig. Wir waren also sehr zufrieden und haben die gleiche erfreuliche Erfahrung gemacht wie bei der letzten Tour mit Fish, fĂŒr den wir auch die deutschen Konzerte eröffneten, damals aber noch in der alten Besetzung.

Rainer Guérich
CD: Reflected (Rockville/Soulfood)

www.centralpark-band.de
 

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