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REMEMBER TWILIGHT
Musik ĂŒber Niedergang & Verderben

REMEMBER TWILIGHT, die Meister diffiziler Zwischentöne und schwarzer Romantik, stellen ihre neue CD „Musik ĂŒber Niedergang & Verderben“ vor. inHard unterhielt sich mit den beiden Bandmitgliedern TIMO (Gesang, Gitarre) und CHRIZ (Cello) ĂŒber das anspruchsvolle Werk...

inHard: Euer einzigartiger Kammermusik-Core hat mir schon auf eurem Erstlingswerk („Zerrissen“, 2005) sehr gut gefallen. Was könnt ihr mir denn ĂŒber das Konzept des neuen Albums  so alles erzĂ€hlen?

Chriz: Ein durchgehendes Konzept im eigentlichen Sinne gibt es nicht. NatĂŒrlich finden sich einzelne Inhalte wieder, die Timo schon lĂ€nger beschĂ€ftigen. „Ich suche Gott“ gehört zum Beispiel zum Themenkreis, mit dem sich „Der tolle Mensch“ befasste. Das Lied schließt diesen Komplex ab. Andere StĂŒcke wie „In The Long Run (We Are All Dead)“ oder „KĂŒnstler der Dekadenz“ stehen fĂŒr sich. Das verbindende Element ist die Umsetzung der subjektiven Wahrnehmung unserer Welt, unserer Gesellschaft. Gier, GefĂŒhlskĂ€lte, Denken, das nicht ĂŒber das Morgen hinausreicht, und eine gewisse Haltlosigkeit des Individuums in einer verwirrenden Lebensumgebung. Die Texte spiegeln wider, was uns umgibt. Nicht, um zu belehren, sondern um Fragen aufzuwerfen und DenkanstĂ¶ĂŸe zu geben.

Timo: Wie Chriz schon gesagt hat, es ist kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinn. Trotzdem ist es aber ein Album, das auf einem bestimmten Hintergrundgedanken aufbaut, der sich durch das ganze Album zieht.

inHard: Wie lange habt ihr an der Ausarbeitung des Songmaterials gefeilt?

Timo: Alles in allem gute drei bis vier Jahre. Angefangen hat die Arbeit am neuen Album im Jahre 2005. Damals waren wir mehr oder minder gut in Watte gepackt. Ein Teil hat noch studiert und der andere Teil war zumindest gut versorgt. Wir haben damals einen neuen Papst bekommen, eine Bundeskanzlerin und der Uhu war Vogel des Jahres. Seitdem kĂ€mpfen wir uns von Krise zu Krise und sammeln uns derzeit unter einem großen bunten Euro-Rettungsschirm. Das liefert natĂŒrlich unendlich viel NĂ€hrboden fĂŒr kĂŒnstlerische AktivitĂ€ten. In diesem Kontext ist das neue Album geboren worden und gediehen. Eigentlich ist es doch noch viel zu positiv fĂŒr die allgemeine Entwicklung, oder?

inHard: So gesehen schon. Von wem stammt denn das gelungene Cover-Artwork?

Timo: Auf einem Besuch der Kieler Woche konnte ich das Segelschulschiff Gorch Fock besichtigen. Von da an war klar, dass ein Segelschiff das Cover schmĂŒcken sollte. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands wollten wir das Schiff aber nicht als Symbol der Bastion gegen die raue, tobende See einsetzen. Unser Schiff steuert auch nicht aufs nĂ€chste Riff, sondern ist schon daran zerschellt. An Bord geladen waren die drei großen Errungenschaften unseres Zeitalters: Religion, Wohlstand und Kultur. Hilflos und haltlos sind diese nun den Gezeiten ausgesetzt und tanzen auf den Wellen. - Die Umsetzung dieser Idee hat wieder Miriam, die auch schon das letzte Cover gestaltete, ĂŒbernommen. Ihr Stil ĂŒberzeugt uns immer wieder aufs Neue.

inHard: Mit „Mackie Messer“ habt ihr euch auch an eine Coverversion aus der Dreigroschenoper von Kurt Weill/Bertold Brecht gewagt. Wie kam es denn zu dieser Idee?

Chriz: Die Lieder von Brecht und Weill zeichnen sich musikalisch durch eine Mischung aus sympathischer Kantigkeit und EingĂ€ngigkeit aus. Textlich durch einen bissigen Blick auf das Leben an sich und die Gesellschaft im Speziellen. Das kommt unseren eigenen kĂŒnstlerischen Vorlieben sehr entgegen. Die Haifische, die immer irgendwie davon kommen, tummeln sich ja zudem immer offensichtlicher um uns herum und werden immer fetter, wĂ€hrend die kleinen Fische von der großen kapitalistischen Filetiermaschine gebrauchsfertig zurechtgestutzt und serviert werden.

inHard: Worauf habt ihr bei der musikalischen Umsetzung Wert gelegt?

Chriz: Wichtig war uns bei der Interpretation, den Originalcharakter beizubehalten, den Song aber gleichzeitig zu einer schlĂŒssigen Kammermusik-Core-Nummer zu komprimieren, ihn also ein bisschen mehr auf den Punkt zu bringen, ohne seine Substanz anzugreifen.

inHard: Habt ihr „Mackie Messer“ auch schon live auf der BĂŒhne performed? Wie waren die Reaktionen?

Chriz: Wir haben „Mackie Messer“ bereits vor den Aufnahmen live gespielt und das neue Arrangement, das sich nun auf dem Album befindet, unter anderem bei den Konzerten mit Coppelius im Dezember 2009 zum Besten gegeben. In Annaberg-Buchholz gab sich deren Comte Caspar die Ehre und spielte auch Live sein Klarinettensolo, das er uns freundlicherweise fĂŒr die Aufnahme spendiert hat. Das war ein ganz besonderer Moment. Insgesamt lĂ€sst sich vermerken, dass es erfreulicherweise in jedem Konzertsaal einen zu geben scheint, der den Text zu „Mackie Messer“ kennt. Die Reaktion ist also oft inbrĂŒnstiges Mitsingen. Das ist schön. Nicht nur, weil Timo dann notfalls Lippenlesen kann, wenn es bei ihm mit der Textsicherheit klemmt (lacht).

inHard: Habt ihr zum Schluss noch eine Botschaft an unsere Leser?

Chriz: „Musik ĂŒber Niedergang & Verderben“ gehört in jede gut sortierte Plattensammlung. Auch deshalb, weil man sich eines Tages ĂŒber jede einzelne CD freuen wird, auf der noch authentische, von selbststĂ€ndig denkenden Menschen eingespielte und aus reiner Liebe zur Musik zu Gehör gebrachte Musik enthalten ist. Der TontrĂ€ger mag sterben, die OriginalitĂ€t von Marketingexperten im Keim erstickt werden – Remember Twilight garantieren auf lange Sicht individualistische Freude am Weltuntergang. Wir wĂŒnschen gute Unterhaltung!

Rainer Guérich
CD: Musik ĂŒber Niedergang & Verderben (Echozone/Intergroove)
www.remember-twilight.de
www.myspace.com/kammermusikcore
  

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