Das erste Mal, dass ich was von den Nekromantix zu hören bekam, war in den frühen 90ern, als das Album “Curse of the Coffin” aktuell war. Mit ihrem fünften Werk “Return of the Loving Dead” wird man nun wieder auf die Psychos aus Dänemark aufmerksam. Ich durfte Kim Nekroman (coffinbass/vocals) zu dem neuen Album ausquetschen.

 

inHard: Als erstes eine kleine Zusammenfassung über die Nekromantix. Wer ist in der Band, und wer spielt was?

Kim: Also ich bin am coffin-bass und singe. Peter Sandorff ist an der Gitarre und macht die Backvocals, während sein Bruder Kristian Sandorff am Schlagzeug sitzt.

inHard: Wann habt ihr die Band gegründet?

Kim: 1989... März ‘89.

inHard: Seit ihr noch in der Original-Besetzung?

Kim: Wir hatten im Laufe der Zeit verschiedene Leute in der Band, aber Peter, der schon bei den ersten beiden Alben dabei war, ist wieder zurück. Sein Bruder Kristian löste dann unseren ursprünglichen Drummer “Peek” ab.

inHard: Wie bist du zum Psychobilly gekommen?

Kim: Also, ich war schon immer an dieser Musik interessiert und habe dann nach meiner Marinezeit als Drummer in einer Rockabilly Band gespielt. Das wurde sehr schnell langweilig, so dass ich anfing, Bass zu spielen und mit Peter und  Peek die Nekromantix gründete.

inHard: Apropos Bass. Wo hast du denn deinen geilen Sarg-Bass her?!

Kim: Den hab’ ich mir selbst gebaut. Ich hab’ mir mittlerweile schon fünf Stück  gebaut und bin gerade dabei, den sechsten zusammenzusetzen..

inHard: Man hat ja länger nichts von euch gehört bzw. gelesen. Was habt ihr die letzten Jahre so getrieben?

Kim: Wir waren viel unterwegs in Japan, Finnland und Deutschland. Waren aber die meiste Zeit davon in Finnland unterwegs. Außerdem haben wir weitere Alben produziert, wie z.B. “Brought back to Life”(1996) und unser 99er Live-Album, das aber erst 2000 erschien.

inHard: Wie kam der Kontakt zu Tim Armstrong bzw. Hellcat Records zustande?

Kim: Wir haben einfach unser Demo-Tape hingeschickt. Einige Tage später rief Tim an. Er ist wohl schon etwas länger Nekromantix Fan und wollte sofort ein Album machen.

inHard: Erzähl’ doch mal was über euer neues Album, zum Beispiel über die Texte von “Who killed the Cheerleader” und“Generation 666”. Hast du dich da durch die Amokläufe in amerikanischen Highschools inspirieren lassen?

Kim: Der Text von “Who killed the Cheerleader” entstammt wirklich aus der Scheiße, die in amerikanischen Schulen abgeht. Wobei der Text von “Generation 666” mehr übers Heiraten geht. Da hab’ ich mich wohl von meiner eigenen Hochzeit inspirieren lassen.

inHard: Wo wir schon beim Thema heiraten und Kirche sind: Ist es wahr, dass du an einer Psycho-Bibel arbeitest?

Kim: Richtig. In der Psycho-Bibel geht es nicht nur um die Psycho-Bands. Ich sammle Fotos von Psycho-Fans, Psycho-Hochzeiten und alles Mögliche, was mit der Psycho-Subkultur zu tun hat. Es ist aber schwierig, geeignetes Material beizukriegen. Deshalb werde ich wohl auch noch etwas länger brauchen, bis sie fertig ist.

inHard: Wie sieht es denn aus mit der Psycho-Subkultur in Dänemark?

Kim: (lacht) Oh, da gab‘s nie eine. Nicht wirklich. Es gibt zwar einige Bands, aber eine richtige Szene kann man das nicht nennen. Hier gibt es viele Punks und Skins...

inHard: Und allgemein in Europa?

Kim: Also, ich würde sagen, dass die Psycho-Szene in den vergangenen 5-7 Jahren zurückgegangen ist , weil es genauso wenig Bands wie Plattenfirmen gibt. Ganz klar, dass die Kids dann natürlich nichts mitbekommen.

inHard: Anfang der Neunziger nannte man Hamburg noch “Psycho-Central”, obwohl es in England schon immer mehr Bands gab als hierzulande. Was ist da dran, und wie sieht‘s heute aus?

Kim: Das stimmt auf jeden Fall, aber heute würde ich sagen, dass Hamburg der schlechteste Platz für einen Psycho ist.

inHard: Wieso!?!?!?

Kim: Weil es dort so gut wie keine Psychos gibt. Jedesmal, wenn wir in Hamburg gespielt haben, wurde das Konzert entweder auf einen Wochentag oder einen Sonntag verlegt, weil sowieso fast keiner kam. In Süddeutschland oder Holland geht da vielleicht schon mehr, aber selbst in England ist der Psycho schon so gut wie ausgestorben.

inHard: Wo gibt es denn noch eine einigermaßen große Szene? In Amerika?

Kim: Schwer zu sagen. Wenn die Kids nichts zu hören bekommen, ist es klar, dass die Szene ausstirbt. Und das ist auch in Amerika nicht anders.

inHard: Gibt es denn einen großen Unterschied zwischen der Psycho-Subkultur in Amerika und der in Europa?

Kim: Das kann man, glaube ich, so jetzt nicht sagen. Aber die amerikanischen Psychos haben definitiv nicht den gleichen Hintergrund wie wir. Rockabilly kommt ja aus den Staaten, und Psychobilly aus England, obwohl es vom Rockabilly abstammt. Auf jeden Fall würde ich sagen, dass in Amerika eine neue Generation Psychos auftaucht, was auch gut ist, damit die Szene wieder wächst.

inHard: Stimmt es denn, dass es zwischen Psychos und Rockabillys oder zwischen Psychos und Punks einen kleinen “Krieg” gibt?

Kim: Nicht wirklich. Es gibt zwar kleine Auseinandersetzungen zwischen Psychos, Rockabillys und Punks. Woran das liegt, weiß ich aber selber nicht. Ich kann da nicht allzuviel erzählen...

inHard: In den Staaten startet ja bald die “Psychos vs. Punks Tour”, wo ihr auch mit von der Partie sein werdet. Können wir denn auch auf ein paar Shows in Deutschland hoffen?

Kim: Ja, ich glaube vom 8. bis 19. Mai sind wir in Deutschland und Österreich unterwegs.

inHard: Geil!! Wisst ihr auch schon, mit wem ihr unterwegs sein werdet?

Kim: Ne, das ist noch alles ganz frisch in Planung, so dass ich echt keinerlei Details weiß.

inHard: Hast du noch irgendeine Nachricht für eure deutschen Fans?

Kim: Klar! Stay tuned bis wir da sind, und ich hoffe, ihr taucht zahlreich auf unseren Shows auf.

Carlos Martinez