Diese neue holländische Band ist hervorgegangen aus der Band Osiris. Das heißt, so neu sind C OF E gar nicht... sogar ihre Debüt-CD ist schon drei Jahre alt, aber erhält erst jetzt ihren wohlverdienten Deutschland-Release! Wir sprachen mit Gründungsmitglied René.

 

Das Album ist drei Jahre alt - ist es nicht seltsam, es jetzt noch promoten zu müssen?

Tja, das ist die Negativseite des Musikerlebens. Die Zeiten haben sich auch geändert. Früher hat man ein Demo veröffentlicht und es hunderte Male verkauft. Heute macht jeder seine eigene Harddisc-Aufnahme, und keinen interessiert’s. Manchmal denke ich, es gibt schon mehr Bands als Fans. Naja, vor drei Jahren bekamen wir von unserem kleinen Label die Möglichkeit, das Album aufzunehmen, aber dann ging das Label pleite. Und dann haben wir uns zwei Jahre lang nach einem neuen Label umgesehen, weil wir das nicht selber nur im Untergrund verkaufen wollten. Tja, und nun haben wir G.W.N. Records, und sie haben das Album Ende letzten Jahres in Holland veröffentlicht, und jetzt in ganz Europa und Nordamerika. - Aber es stimmt, für uns ist es schon etwas seltsam, weil wir natürlich schon jede Menge neue Songs haben, und wir uns ja auch musikalisch ein bisschen weiterentwickelt haben.

Dann könnt ihr ja gleich ein zweites Album nachschieben!

Nein noch nicht, jetzt machen wir erstmal “Protect me...”, und ich denke, Anfang nächsten Jahres kommt der Nachfolger. Wir machen gerade ein paar Demos davon, damit wir die Songs nicht vergessen... es wird ein bisschen melodischer ausfallen, etwas weniger “Hardcore-ish”. Aber immer noch aggressiv und mit Hardcore-Vocals. Ich bin froh, dass wir Marc, unseren Sänger haben. Ich habe jahrelang mit diesen hohen Schrei-Vocals in Osiris leben müssen, ich kann sie nicht mehr hören. Ich liebe HC-Vocals. Und ich liebe kurze Songs. Ich bin auch ein großer Ramones Fan.

“Kurze Songs” ist gut, einer bringt es auf gerade mal 1:18 - was kann man in einer Minute sagen?

Wir wollen gar nichts sagen. Musik ist für uns Unterhaltung. Deswegen sind die Texte auch nicht im Booklet abgedruckt. Viele Bands versuchen ihre Message rüber zu bringen, für uns sind die Vocals nichts anderes als ein weiteres Instrument. Unsere Message ist in der Musik.

Ist das, was Ihr macht, Hardcore?

Nein, ich würde das nicht Hardcore nennen. Ich meine, Hardcore hat auch etwas mit der Lebenseinstellung zu tun, mit dem Benehmen, mit der politischen Einstellung, mit den Texten, und so weiter. Hardcore Bands geht es oft nur um Krach. Ich meine, ich habe genug Bands gesehen, die gehen auf die Bühne, stöpseln ihre Instrumente ein und legen los. Da sind nicht mal die Gitarren gestimmt. Ich nehme unsere Gigs und unsere Songs sehr wichtig. Die einzige Parallele bei uns sind die Vocals. Ich denke, wir machen eine Mischung aus Metal und HC. Aber die meisten Bands, die sagen, dass sie Metal-Core machen, sind wesentlich HC-lastiger als wir. Eigentlich würde ich sogar sagen, dass wir zu 90% eine Metal-Band sind. In den 80ern hätte man das Thrash genannt, aber so würde ich das heute nicht mehr nennen, weil dem Namen und seinen Bands wie Anthrax, ein leichter Muff anhängt. Einigen wir uns darauf, dass wir keins von allem sind. Ich denke, du müsstest uns live sehen - wir sehen ja auch nicht aus wie Hardcore-Musiker.

Das heißt, ihr setzt vor allem auf ein Publikum, was für Neues offen ist...

Letztes Jahr haben wir beim Overijssel Musikwettbewerb gewonnen, da gab es alle möglichen verschiedenen Musikstile. Aber, was viele Leute uns hinterher erzählten, war, dass sie uns gewählt hätten, obwohl sie eigentlich gar nicht auf harte Musik stehen. Bei dem Wettbewerb gab’s alles, von HipHop, über Electronic bis Pop. Naja, jedenfalls mochten sie unsere Musik also gar nicht mal so sehr, aber sie fanden uns als Band und auf der Bühne überzeugend.

Spricht für eure Live-Band-Qualitäten!

Ja, ich denke schon. Was du auf dem Album hörst, wird live noch sehr viel energetischer, vielleicht auch ein bisschen schneller, auf jeden Fall noch aggressiver. Das ist wie Sport für uns, du solltest mal Ronnie, unseren Drummer, nach einem Gig sehen.

Euer Hochleistungssport, wie?

Unser Gitarrist und ich, wir waren ja vorher bei Osiris, richtig technischer Metal im Stile von Watchtower oder Sieges Even. Viele Leute sind immer überrascht, dass wir einen solchen Stilwechsel vollzogen haben. Naja, musikalisch war das auch nicht unbedingt meine Lieblingsmusik, aber es hat Spaß gemacht - und für einen Musiker war es eine Herausforderung. Allerdings würde ich sogar sagen, dass das, was wir heute mit C of E machen, fast noch härter zu spielen ist. Bei Osiris hatten wir diese übereinander gelegten Sounds und Strukturen, lange Songs, aber C of E - das ist Hochleistungssport. Es geht uns nicht um Härte, aber um eine schnelle und tighte Performance. Das ist für mich das Wichtigste an einem Konzert: Unterhaltung! Viel zu vielen Bands fehlt das.

Was führte damals zum Ende von Osiris?

Unsere Plattenfirma hat uns fallen gelassen. Wir haben dann in demselben Line-Up weitergemacht, aber etwas weniger technisch, mit mehr Groove, und unter neuem Namen, Circle of Emotions. Wir haben damals 2 Demos veröffentlicht, aber es wurde nichts weiter daraus, und wir haben uns getrennt. Erst fünf Jahre später haben der Gitarrist und ich uns überlegt, dass wir noch einmal etwas zusammen machen, aber nun in der Musikrichtung, die wir am liebsten mögen, und das ist richtiger Metal. Naja, jedenfalls hatten wir noch ‘ne Menge T-Shirts und Sticker und so etwas mit dem alten Circle of Emotions-Logo, also hatten wir auch schnell einen Namen für unser Projekt.

Aha, daher also der Name...

Ja, er ist auch sehr praktisch, weil er so kurz ist. Auf Flyern oder Konzertpostern ist er immer größer als die anderen Namen, weil er nur 4 Buchstaben hat.

Was erwartet ihr von dem Release?

Ich mache mir nichts vor, wir sind eine von vielen Bands. Aber die bisherigen Reaktionen sind allesamt sehr positiv! Das freut mich natürlich ungemein. Natürlich können wir nicht von der Musik leben, aber ich bin trotzdem zufrieden. Ich habe mehrere Freunde, die früher schon immer gesagt haben, sie wollten Musiker werden. Die waren in derselben Szene wie wir damals. Und was machen die jetzt? Spielen in irgendwelchen Cover- oder in Schlager-Bands oder sind Studio-Musiker und spielen die Stücke anderer Leute. Da gehe ich doch lieber arbeiten, um zu leben und mache in meiner Freizeit die Musik, die ich wirklich spielen will.

Ralf Koch