Ein neuer Name. Eine neue Band? New people on the scene? Ja. Nein. No! Gegründet wurde die Band bereits im Jahre 1999, als Logan Mader nach Machine Head auch Soulfly verließ, und Whitfield Crane bei Life of Agony seinen Hut nahm. Aber es hat eine Weile gedauert, bis die Band Anfang diesen Jahres endlich ihre Debüt-EP “Medication” veröffentlicht hat. Das war bereits ein guter Anfang. Jetzt kommt das Debütalbum: “Prince Valium”. Wir sprachen mit Gitarrist Logan Mader.

inHard: Was bedeutet der Bandname für dich?

Logan: Er steht eigentlich für verschiedene Dinge, aber in erster Linie ist es ein cooler Name, finde ich. Wenn ich allerdings zurückschaue... Musik ist meine Medizin. Musik ist wie eine Droge für mich.

inHard: Und wenn man den Albumtitel dazunimmt, gibt’s da auch eine tiefere Bedeutung?

Logan: Nee, das ist eher ein Wortspiel mit dem “Prince Valiant” Comic. Das ist hier in Amerika ziemlich bekannt.

inHard: Ihr stammt aus Bands wie Machine Head, Soulfly und Life of Agony. Inwieweit würdest du die Musik von Medication damit vergleichen?

Logan: Ich kann eigentlich keine Parallelen sehen, weder in den Gitarren noch in den Vocals. Ich sehe unsere Musik als eine Reflektion meiner Erfahrungen als Songwriter und der Chemie zwischen Blunt und mir. Blunt schreibt viele der Gitarrenriffs, und ich denke, da gibt es wenig Parallelen. Wir schreiben Musik nicht, um zu klingen wie..., sondern um unser Ding zu machen. Sehr dynamisch, mit melodischem Gesang.

inHard: Aber man ist doch immer beeinflusst von den Sachen, die man vorher gemacht hat, oder?

Logan: Alles was man macht oder gemacht hat, beeinflusst den weiteren Weg

inHard: Nun wird’s philosophisch...

Logan: Nein, es ist wirklich so. Man kommt immer weiter im Leben. Ich nehme meine Erfahrungen im Musikbusiness als Basis für alles weitere. Nach mehr als 600 Shows, die ich in der ganzen Welt gespielt habe, weiß ich, was man den Kids geben muss, damit sie eine gute Zeit haben.

inHard: Aber du schreibst die Songs doch nicht nur für die Kids im Publikum, oder?

Logan: Damit hat vieles zu tun. Ich liebe es auf der Bühne zu stehen. Und wenn ich schreibe, habe ich die Bühne vor Augen. Ein guter Song zählt nur die Hälfte, wenn er nicht auch gut auf der Bühne ist.

inHard: Also machst du nur Platten, um Material für Tourneen zu haben...

Logan: Ja, das ist zumindest ein Hauptgrund.

inHard: Gibt es andere Gründe?

Logan: Ich habe einen unbändigen Drang, Musik zu machen. Das ist das, wofür ich geboren wurde. Ich habe mehrere Phasen im Leben erlebt, in denen ich keine Musik gemacht habe, aus finanziellen Gründen, oder weil ich echte Tiefpunkte im Leben hatte. Und ich fragte mich, warum ich noch leben wollte, und der einzige Grund für mich ist und bleibt der, Musik zu machen. Und da bin ich nun, wir haben eine neue Platte, wir gehen auf Tour - es ist seltsam, obwohl es die Band eigentlich schon fast vier Jahre gibt, scheint es jetzt für mich ein Neuanfang zu sein. Ich bin wieder da, wo ich sein will, und die Welt kann sehen, wer wir sind. Ich fühle mich wie neu geboren.

inHard: Da ist sie wieder - die Musik als Medizin... Warum hat es überhaupt so lange gedauert, bis Ihr die EP - und jetzt das Debütalbum veröffentlicht habt?

Logan: Ich denke, das Timing war einfach noch nicht richtig. Ich meine, es sollte nicht so lange dauern, aber wir hatten ein paar Probleme mit dem richtigen Plattendeal. Wir hatten ein paar Angebote, aber wir haben unsere Erfahrungen mit Deals gemacht. Wir wissen, was ein guter und was ein schlechter Deal ist. Es gab ein paar Majors, die uns wollten, aber bei Major-Labels bist du eine von Hunderten von Bands, die können sich gar nicht richtig um Newcomer kümmern. Ich kenne keinen Major, der sich vernünftig um kleine Bands kümmern würde.

inHard: Nee, die kaufen sich lieber etablierte Namen und bezahlen hundertfünfzig Millionen für Mariah Careys...

Logan: Ja, das war ein gutes Geschäft, oder? Nein, wir wollten ein Label, das an uns glaubt und mit dem wir arbeiten können. Mittlerweile bin ich auch froh, dass es so lange gedauert hat, weil ich denke, dass wir uns in den drei Jahren wirklich weiter entwickelt haben. Die Songs sind über die Jahre entstanden, wir sind als Band zusammen gewachsen. Vielleicht war es einfach der Test of Time, um zu sehen, ob wir bestehen können. Ich meine, kuck dir MTV an, es gibt soo viele Bands, der Markt ist einfach übersättigt.

inHard: Also was macht euch besonders zwischen all diesen Bands?

Logan: Viele Dinge. Die Individuen in der Band, unser Background. Wenn du uns auf der Bühne siehst, wir bringen die richtige Energie mit. Es klappt einfach, wir haben das gewisse Etwas. Und wir versuchen nicht, NuMetal zu spielen, wir spielen keinen Rap-Metal, nichts von diesem modischen Kram. Wir haben das gemacht, was wir selbst wollten. Unsere Debüt-EP haben wir selbst finanziert, selbst produziert. Wir wollten uns so zeigen, wie wir sind, und der Erfolg gibt uns Recht. Die EP wurde mittlerweile weltweit veröffentlicht.

inHard: Du wehrst dich also gegen einen Terminus wie NuMetal oder sonst irgendeine bestehende Schublade. Würdest du mir denn zustimmen, dass eure Musik eine Mischung aus Alternative Rock und ein bisschen Heavy Metal ist?

Logan: Ja. Hmm. Ja, das ist es eigentlich.

inHard: Kannst du noch einmal etwas über dein und Whitfields Ende bei euren Vorgänger-Bands sagen? Warum hast du Machine Head verlassen?

Logan: Ich hatte das Gefühl, es geht nicht mehr weiter. Ich wollte nicht in einer Band sein, die sich nicht weiter entwickelt. Machine Head hatten ihren Höhepunkt bei  dem Debüt. Das zweite Album war in meinen Augen schon ein Rückschritt, und ich wollte nicht in einer Band sein, die Rückschritte macht. Dann kam Soulfly, aber das war eigentlich nur ein Job für mich, irgendetwas musste ich ja machen. Und es hat Spaß gemacht. Wir haben die ganzen großen Tourneen gespielt, Ozzfest, etc.. Ich habe viele Freunde gefunden und wieder getroffen, Whitfield z.B. mit Life of Agony. Aber ich war nur Gast, ich war nicht am kreativen Prozess beteiligt. Und 1999 wurde Whitfield bei L.o.A. rausgeschmissen, gerade als ich im Prinzip mit Soulfly durch war. Es war uns beiden klar, dass wir eine Band zusammen gründen mussten.

inHard: Whits Vocals waren etwas heavier bei L.o.A., oder?

Logan: Vielleicht. Er hat nicht seine eigenen Songs gesungen, sondern die eines anderen. Es ist immer etwas anderes, wenn man seine eigenen Sachen singt.

inHard: Jetzt wird also das Album veröffentlicht, was kommt als nächstes?

Logan: Wir werden eine Weile mit Coal Chamber in den Staaten touren und dann hoffen, dass wir auch noch dieses Jahr etwas in Europa starten können. Mal sehen. Aber es ist wichtig, dass wir jetzt erst einmal Amerika machen, weil man hier innerhalb von 24 Stunden vergessen sein kann. In Europa ist das anders. Da kennt man mich noch von Machine Head, die haben ein Gedächtnis, aber die Amis, die vergessen dich so schnell. Unglaublich.

inHard: Rauchen die zu viel, oder woran liegt das?

Logan: Ich habe keine Ahnung. Liegt wahrscheinlich an den Burgern und dem American Way. Außerdem gibt es hier einfach zu viele Bands. Es ist so schwer, sich hier mit einem neuen Namen bekannt zu spielen. Aber wir haben es nicht eilig. Wir wollen uns lieber langsam eine große Fanbasis erspielen, als die Dinge übers Knie zu brechen. Das ist genau das, was ich will. Den Namen Medication etablieren, und weiter Alben machen.

inHard: Ist Medication die Band, in der du dich noch in zehn Jahren siehst?

Logan: Ja, das könnte ich mir vorstellen. Ich will’s hoffen!

Ralf Koch