Wer von LES HOMMES QUI WEAR ESPANDRILLOS die “Hückelhoven” im Plattenschrank stehen hat (ich hab’ sie als durchsichtiges Vinyl), dem wird die LHQWE-Raritätensammlung aus den Jahren 1994-1997 mit Sicherheit gefallen. Die während dreier Sessions entstandenen Tracks sind vorwiegend instrumental, besitzen rauen Alternativecharme und haben eine unwiderstehliche Energie. Mein Gesprächspartner war Jörg A.Schneider...

 

inHard: Ihr veröffentlicht mit “Sonic Silence” eine ziemlich kuriose Raritätensammlung mit vorwiegend instrumentalen Stücken aus dem Zeitraum zwischen 1994-1997. Wie kam es dazu?

Jörg: Ein Großteil der Songs stammte aus der letzten Session mit Guido Lucas (ehemals LHQWE-Bassist, heute gefragter Produzent und BluNoise-Chef), die wir im August 1996 recorded haben. Uns war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass Guido die Band verlassen würde. Wir dachten, dass wir dann diese Aufnahmen für unser nächstes Album nehmen würden. Doch dann kam kurze Zeit später unsere neue Bassistin Yvonne Nussbaum in unsere Band, und wir schrieben trotz unseres ursprünglichen Vorhabens ganz andere Tracks für unsere nächste CD. Und so ist dieses vorwiegend instrumentale Material zuerst mal liegengeblieben. Es gab dann aber recht viele Espandrillos-Fans, die sich im Laufe der Jahre gefragt haben, wodurch dieser große Schritt zwischen der “Kairo” und der “220 Bowery” herrührte. Und genau das war im Prinzip das Album, das wir wegen Yvonne dann doch nicht veröffentlicht haben. Wir machten damals eh’ die größte Pause, die wir je in unserer Bandgeschichte gemacht haben.

inHard: Also ist diese Raritäten-CD das fehlende Bindeglied eurer Discographie...

Jörg: Ja, genau. Mit der “Kairo” im Gepäck haben wir 1996 auch unendlich viele Konzerte gespielt. Wir waren alleine 6 Monate nonstop in Amerika unterwegs, was schließlich auch zum Bandausstieg von Guido führte, weil ihm alles zuviel wurde. Und dieses Zeugs, was wir jetzt auf “Sonic Silence” veröffentlichen, besteht zum größten Teil aus Stücken, die wir damals in den USA schon live spielten. Wie gesagt: Wir hatten ja ursprünglich vor, dieses Album schon Ende 96/Anfang 97 zu veröffentlichen. Kurios war auch, dass Markus und ich diese Stücke im Laufe der Jahre immer wieder gehört haben. Ich hatte im Auto eine Kassette liegen, auf der praktisch dieselben Stücke wie auf dieser CD waren. Und ich hatte dieses Tape eigentlich viel lieber gehört als die Sachen von der “220 Bowery” oder unserem letzten Album “Moto Fuzz”. Ich dachte immer nur: “Oh Mann, die Sachen sind echt geil. Warum bringe ich die nicht auch als CD raus?” Gerade, weil es unter unseren Fans sehr viele Leute gibt, die insbesondere auf die Sachen zwischen 1995-97 stehen. Es war auch wohl die Espandrillos-Phase, in der wir an unserem Sound am meisten herumexperimentierten. Tja, und jetzt veröffentlichen wir dieses Material endlich, gewissermaßen als “Hommage an die Fans”.

inHard: Und wie sieht es mit Songs aus eurer Phase zwischen 1990-94 aus?

Jörg: Oh ja. Da gibt es superviele gute Songs, die nur auf die Veröffentlichung warten. In unseren Archiven lagern bestimmt noch 80 bis 100 Schätze, die momentan auf irgendwelchen Tapes dahinschimmeln. Allerdings sind die von der Aufnahmequalität größtenteils so schlecht, dass mir schon kürzlich die Idee kam, dass wir einige dieser Songs neu einspielen sollten. Also, dass wir gewissermaßen Coverversionen unserer eigenen Kompositionen machen. (lacht)

inHard: Eine wirklich originelle Idee!

Jörg: Ja, vor allem, wenn du heute 10 bis 12 Jahre mehr auf dem Buckel hast. Wenn du Dinge neu interpretierst, die du im zarten Alter von 22 Jahren irgendwann  mal eingespielt hast, das kann schon eine sehr spannende Angelegenheit sein...

inHard: Die 16 Songs auf dem Album stammen aus drei Sessions: der Bloodfish Session (Anfang 1994), der Last Session mit Guido Lucas (August 1996) und der ersten Session mit Yvonne Nussbaum (März 1997). Hast du bestimmte Erinnerungen an diese 3 Bandabschnittsphasen?

Jörg: Die 94er Session war meiner Meinung nach am coolsten, weil wir damals noch total naiv und unvoreingenommen an die ganze Sache heran gegangen sind. Wir waren damals auf jeden Fall am experimentellsten. Die 96er Session mag ich deshalb sehr gerne, weil wir die Takes direkt nach unserer US-Tour aufgenommen haben und wirklich total eingespielt waren. Die Selbstverständlichkeit, die wir damals hatten, haben wir - glaube ich - erst heute wieder mit unserem neuen Line-Up erlangt. Tja, und mit Yvonne war das 1997 deshalb so geil, weil wir uns ganz wie eine neue Band fühlten. Also völlig unbedarft und voller neuer Ideen. (lacht) Ich hab’ erst vor kurzem zu Markus gesagt, dass wir uns von Yvonne trennen müssten, da wir noch nie 3 Platten hintereinander mit dem(der)selben Bassisten/in eingespielt haben...

inHard: Noch einen Wunsch für die Zukunft?

Jörg: Bitte mehr Interviews mit Rainer Guérich... (war mein 2-tes LHQWE-Interview, d.Red.)

Rainer Guérich

www.lhqwe.com
www.blunoise.de