BUFFALO SHRIMP sind eine hoffnungsvolle Band, die auf ihrer Debüt-CD eine heiße Soundlava aus Rock, Metal, HipHop, Funk und Electronics dippen. inHard sprach mit Gitarrist Tilo Emmert.

 

Tilo: In dieser Formation spielen wir seit Herbst 1999 zusammen. Just zu diesem Zeitpunkt kam unser Schlagzeuger Moritz in die Band, als Ersatz für unseren alten Drummer, der wegen eines Hörsturzes ausscheiden musste. 

inHard: War es eigentlich schon von Anfang an klar, dass die Musik von Buffalo Shrimp in Richtung stiloffener Crossover gehen sollte?

Tilo: Ich denke ja. Wir fünf kommen ja aus verschiedenen Stilbereichen und haben auch schon in anderen Bands gespielt. Ich zum Beispiel habe früher sehr viel melodischen Hardrock gemacht, unser Sänger Stephan kam mehr aus der Metal-Ecke und unser Drummer Moritz kam aus dem HipHop Projekt “Boaventura”. Wir haben mit Buffalo Shrimp gewissermaßen einen gemeinsamen Nenner für all diese Einflüsse gefunden. Wir machen musikalisch eine Mischung aus Hardrock, Metal, HipHop, Funk usw. Als wir uns damals zusammengefunden hatten, hieß unser Ziel: “Wir wollen nicht in irgendeine Schublade gesteckt werden; wir wollen eine Mixtur aus allem machen.”

inHard: Tatsächlich finden sich auf eurer CD “In Hot Dip” auch eine Menge Sounds, die aus der HipHop- und Techno-Ecke stammen...

Tilo: Klar, wir experimentieren mit Sounds herum und versuchen weg vom  gängigen Standard zu kommen. Wir arbeiten alle fünf sehr gerne am Rechner und probieren manchmal nächtelang alle möglichen Soundkonstellationen aus.

inHard: Wobei es dann auch sicherlich schon mal vorkommen kann, dass man am Computer einen Hook oder Riff entwickelt, auf den/das man dann den späteren Song aufbaut?

Tilo: Ja, der Song “Longing” auf unserem Album ist so entstanden. Bevor wir dieses Stück einspielten, hatten wir zuerst ein paar lustige Sample-Ideen, an denen wir herumbastelten. Das heißt, wir haben die Sounds auch mal rückwärts laufen lassen, mal schneller, mal langsamer. Bis irgendwann dieser Grundbeat/sound stand, den wir dann weiterentwickelt haben. Wir haben dann die Gitarre aufgenommen  und auch an diesen Sounds herumgeschnitten. Bis sich dann die ganze Nummer wie ein Mosaik zusammengefügt hat.

inHard: Steht euch auch ein eigenes Studio zur Verfügung, wo ihr diese “Klangforschungen” betreiben könnt?

Tilo: Ja, in unserem Übungs- und Proberaum steht unser Rechner, so dass wir praktisch zusammen jammen und am Computer tüfteln können.

inHard: Dann spricht eigentlich Vieles dafür, dass ihr in die einzelnen Tracks ziemlich viel Zeit investiert habt?

Tilo: Das stimmt. Ein Song ist bei uns nicht fertig, wenn alle die einzelnen Parts spielen können. Wir jammen oftmals, spielen das Ganze in den Computer ein, jammen wieder usw. Da kann es schon sein, dass wir an einem Stück über einen Monat arbeiten. Wann ein Song fertig wird, ist ganz unterschiedlich. Das heißt, wir haben teilweise noch offene Songs, die schon ein halbes Jahr alt sind, aber immer noch nicht fertig sind. Natürlich gibt es aber auch Songs, die sofort fertig sind, weil wir alle die gleiche Idee haben. Wir arbeiten praktisch permanent an den Songs.

inHard: Wie merkt ihr eigentlich, wann ein Song fertig ist?

Tilo: Ein Stück ist dann fertig, wenn alle Bandmitglieder mit dem Ergebnis zufrieden sind. Das ist dann praktisch ein Kompromiss, den wir intern schließen.

inHard: Bei eurer Arbeitsweise müsste es, wenn ihr alles auf Harddisk mitschneidet, eigentlich so 30 bis 40 Versionen von jedem einzelnen Stück geben?

Tilo: Ja, genau! Es gibt schon sehr viele unterschiedliche Versionen von den Songs. Vor allem, wenn wir uns nicht einigen konnten, welches nun die beste Version war. Ich hab’ auch schon Remixe von einigen Songs gemacht, die noch auf unserer Festplatte schlummern, beispielsweise von “Longing”. Ursprünglich sollte der Remix auf unser Album, was aber leider nicht geklappt hat. Wer Interesse hat, kann diesen Mix demnächst auf unserer Homepage (www.buffalo-shrimp.com) runterladen.

inHard: Vielleicht kannst du mir noch ab-schließend etwas über eure Singleauskopplung “Small Town Boy” erzählen, ein völlig ungewöhnliches Remake des alten Bronski Beat-Hits...

Tilo: Wir haben diesen Song ganz bewusst ausgewählt, weil er nicht aus der Hardrock-Ecke kommt. Wenn du ihn anfangs hörst, kannst du das Original auch gar nicht erkennen. Das merkt man dann frühestens erst beim Refrain. Wir haben auch schon mit Jimmy Somerville Kontakt aufgenommen und ihm den Song vorgespielt. Er war so begeistert, dass er uns vielleicht demnächst bei einigen Gigs als Special Guest unterstützen wird...

Rainer Guérich