Etwas verspätet meldet sich Peavy Wagner anlässlich unseres Phoner-Termins...

 

Peavy: Tut mir leid, aber die Fotosessions für die Rockhard-Titelstory haben sich wohl doch etwas länger hingezogen... und dann hab’ ich noch fast ‘ne Stunde im Stau gestanden.

inHard: Kein Problem, man hat ja Verständnis für die Kollegen. Aber mal in medias res.  Was war das für ein Gefühl, in der neuen Bandkonstellation (Victor Smolski und Mike Terrana) das neue Rage-Album einzuspielen, das den vielsagenden Titel “Welcome To The Other Side” trägt?

Peavy: Das war natürlich ganz wunderbar und sehr relaxt. Das Schreiben der Songs dauerte von Januar bis April 2000. Danach haben wir das Ganze erst mal liegen lassen und sind noch ein bisschen getourt. Tja, und im Sommer, so mitten im August, ging’s dann ins Studio. Wir haben dort etwa eine Woche an dem Material gearbeitet und dann alles direkt aufgenommen.

inHard: Ich kann mir vorstellen, dass es nicht zuletzt wegen eurer permanenten Livepräsenz mit der Einspielung so schnell vonstatten ging...

Peavy: Auf jeden Fall! Wir drei waren wirklich extrem gut eingespielt und hatten ja auch eine sehr schöne Tour hinter uns ...

inHard: Mich überrascht die Homogenität des Albums, das wie aus einem Guss klingt. Schließlich gab es diesmal im Gegensatz zu früher drei “richtige” Songschreiber!

Peavy: Ja, obwohl wir faktisch eigentlich zu viert sind. Unseren Sound-Engineer Charly Czaikowski kann man schon als “viertes” Bandmitglied bezeichnen. Er gehört zwar nicht zum Line-Up und ist auch kein Musiker, aber er hat sich speziell bei diesem Album tierisch eingebracht. Vor allem, was den klangtechnischen Songaufbau angeht, stammen viele Ideen von ihm. Um auf deine Frage zurückzukommen, ich denke, die einzelnen Songs klingen wohl aus dem Grund so homogen, weil wir uns keinerlei Zeitdruck unterworfen haben. Wir haben an den Kompositionen sozusagen in aller Ruhe rumgewurstelt. (lacht)

inHard: Dir ist aber schon klar, dass man die Neugierde der Fans mit einem Albumtitel  wie “Welcome To The Other Side” ziemlich schürt?

Peavy: Ja, klar. Ich bin aber auch sehr froh darüber, dass es uns mit der neuen Besetzung  gelungen ist, alle möglichen Stilistiken, die Rage innerhalb der letzten 15 Jahre verwandt haben, in die neuen Kompositionen einfließen zu lassen. Deswegen bin ich auch fest davon überzeugt, dass alle Leute, die jemals etwas von Rage gut fanden, dies auch auf “Welcome To The Other Side” wiedererkennen werden. Gleichzeitig steht der CD-Titel aber auch für den Aufbruch in eine neue Richtung, die wir in dieser Form so noch nicht gemacht haben. “Straight to Hell” ist beispielsweise so ein Stück.

inHard: Ich hatte eh’ den Eindruck, dass ihr auf der Platte unheimlich viele Nuancen und Feinheiten eingeflochten habt. Bei jedem neuen Hördurchlauf habe ich wieder etwas Neues entdeckt.

Peavy: Es ist tatsächlich so, dass man unser neues Album erst mal in aller Ruhe auf sich wirken lassen muss. Es gibt unheimlich viele Details, die sich einem beim oberflächlichen Hören vielleicht nicht sofort erschließen. Und was noch wichtiger ist: Der Sound ist von den Frequenzen so gehalten, dass er zu keiner Zeit nervt. Ich finde, dass es leider viel zu viele Platten in dem Genre gibt, die musikalisch zwar vom Feinsten sind, aber einfach von der Aufnahmequalität grottenschlecht klingen.

inHard: Was hältst du eigentlich von der Platte deiner ehemaligen Begleitmusiker, die nun als Sub7even mit ihrer “Weatherman” Single die Charts stürmen?

Peavy: Nee, nee, das lass mal lieber...

Bernd Oppau