Die Schweden Venerea schicken mit “Losing Weight-Gaining Ground” einen echten Highspeed-Skatecore-Killer ins Rennen. Da müssen sich vergeichbare Bands bei Burning Heart und Epitaph aber verdammt warm anziehen. inHard sprach mit Venerea Sänger & Bassist Mike.

inHard: Hi Mike, ihr habt nach dem letzten Album “Both Ends Burning” ‘ne etwas längere Pause eingelegt. Was geschah denn bei euch in der Zwischenzeit?

Mike: Och, ‘ne ganze Menge. 1997 verließ uns unser alter Drummer Talle, nachdem sich beide Seiten darauf geeinigt hatten, das “Both Ends Burning”-Album ferigzustellen und anschließend noch eine gemeinsame Tour zu spielen. Dann war es an der Zeit, einen neuen Schlagzeuger zu finden. Irgendwie gelang es uns, einen neuen Drummer namens Matt zu rekrutieren, mit dem wir dann auch 1998 tourten und mit dem wir unsere 10’’ Picture Disc “We Shall Overcome” einspielten. Von seiner Technik her ist Matt absolut großartig. Aber wir passten menschlich nicht zusammen . Das heißt, wir hingen in der Freizeit so gut wie nicht zusammen ab, wobei Matt auch kein wirklicher Punk ist.

inHard: Aber ihr habt in Fred dann schließlich doch noch einen geeigneten Drummer gefunden?

Mike: Ja, kurioserweise war Fred unser alter Driver, Roadie und Merchandiser. Er hat nie zuvor in seinem Leben Schlagzeug gespielt, so dass wir ihm das erst beibringen mussten, bevor wir die neue CD aufnahmen. Mittlerweile ist Fred aber ein unglaublich guter Drummer. Er hat die Technik unheimlich schnell erlernt.

inHard: Mit Anden habt ihr auf der neuen Platte auch noch einen neuen, zweiten Gitarristen & Sänger? Wie seid ihr an ihn gekommen?

Mike: Anden spielte zuvor bei einer Band namens Scarecrow. Wir haben ihn kurz nach Abschluss der “Both Ends Burning”-Recordings kennengelernt. Er hat sogar unsere damalige Tour gespielt und das, obwohl er eigentlich gar keine Zeit hatte, die Songs dieser Platte in irgendeiner Form zu proben. Anden ist nicht nur ein prima Kumpel, sondern auch ein brillanter Harmonie-Sänger und Leadvokalist. Er hat großen Anteil daran, dass wir mittlerweile auch noch ein bisschen aggressiver und härter klingen. Bei unserer nächsten Aufnahme wird er mit Sicherheit auch stärker in das Songwriting involviert werden. Wir sind mittlerweile richtig warm miteinander  geworden...

inHard: Wie seid ihr an euer aktuelles Label Renate/Community gekommen?

Mike: Das war wie ein Geschenk des Lebens, da wir uns in finanziellen Schwierigkeiten befanden. Renate/Community erklärte sich sofort bereit, die “We Shall Overcome” 10’’ zu veröffentlichen...

inHard: Wo fanden die Aufnahmesessions denn statt?

Mike: In Matts neugebautem Heimstudio, wo wir zum ersten Mal waren. Matt ist auch als Gastdrummer auf zwei Tracks vertreten. Es hat uns großen Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten.

inHard: Wie lange haben die Recording-Sessions denn gedauert?

Mike: 2 1/2 Wochten haben wir benötigt, um die Platte aufzunehmen, aber einige der Songs sind ziemlich alt. “Lost In The Stars” stammt beispielsweise aus dem Jahre 1996. Aber es gibt auch andere Stücke, die brandneu sind. (lacht). “Boring” schrieb ich 3 Tage, bevor wir mit den Aufnahmen begannen.

inHard: Um was geht es von der textlichen Seite?

Mike: Es ist irgendwie ein Mix aus privaten Reflektionen, Emotionen und gelegentlichem politischem Stoff, gewürzt mit einer gehörigen Portion Ironie. Ich mag das Wortspiel und die humoreske Seite von Venerea...

inHard: Was sind denn die persönlichsten Stücke auf der Scheibe?

Mike: “The Losing End Of Punk”, das auf ironische Weise unsere Bandgeschichte beschreibt und “For The Present”. Diese Nummer ist Andens Vater gewidmet, der 1998 verstarb.

inHard: Und wie sieht’s mit einem Lieblingstrack von dir aus?

Mike: Ich steh’ unheimlich auf “Road To Never”- das ist ein wunderbarer Slow Groover. Aber mein persönlicher Favorit heißt “Back To Start”, zwar völlig desillusioniert das Stück, aber ein sentimentaler Rückblick auf unsere alte Heimatstadt...

Rainer Guérich