Mit ”V” legen die Prog-Rocker von Spock’s Beard einen echten Meilenstein ihrer Karriere vor. inHard unterhielt sich mit Neal Morse (vocals, keyboards, guitars).

inHard: Hallo Neal, was kannst du mir über die Entstehung des neuen Spock’s Beard-Albums ”V” erzählen?

Neal Morse: Dieses Mal war das Aufnehmen und der Songschreibe-Prozess für uns etwas schwieriger und komplizierter als in der Vergangenheit. Wir benötigten weitaus mehr Zeit... und Geld!... Arg... wir mixten die Scheibe zweimal! Was für ein Albtraum! Zudem experimentierten wir mehr mit unseren Soundmöglichkeiten, wie etwa einen  string bass hier und einem ausschweifenden Solo dort. Trotzdem war das Ganze ziemlich cool...

inHard: Ich hab’ gehört, dass, als ihr ins Studio gegangen seid, noch gar nicht alle Songs geschrieben waren. Stimmt das?

Neal Morse: Ja, im November letzten Jahres hatte ich lediglich die beiden Stücke ”The Great Nothing” und ”Goodbye To Yesterday” geschrieben. Es fehlte also noch gut die Hälfte des Albums. So trafen wir uns in Los Angeles, schrieben noch einen neuen Song und Teile eines anderen. Genauer gesagt handelt es sich um das Monumental-Epos ”The Great Nothing”, welches sich insgesamt über mehr als 27 Minuten erstreckt  und die besten Trademarks unserer bisherigen Bandgeschichte vereinigt. Ende Januar schrieb ich dann weiteren Stoff (”At The End Of The Day” und ”All On A Sunday”), den wir aufnahmen. Ab diesem Zeitpunkt war uns allen klar, dass die ganze Sache funktionieren würde. Insgesamt benötigten wir für die Basic Tracks 8 Tage, 30 Tage für die Overdubs und weitere 18 Tage für das Mischen. Also etwa doppelt soviel Zeit, wie wir normalerweise brauchen. Aufgenommen haben wir alle Tracks in Kevin Gilberts Studio ”Lawnmover and Garden Supply” mit Mike Johnson als Engineer. Das meiste, was du auf der Platte hören kannst, wurde anschließend von Rich Mouser im ”Mouse House” gemischt. Ich denke, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat. Ohne überheblich zu wirken, bin ich der Meinung, dass ”V” das beste Album ist, das wir als Band bisher hervorgebracht haben. Aber natürlich sollen die Leute sich ihre eigene Meinung bilden, ich will sie gar nicht beeinflussen...

inHard: Das sechsteilige ”The Great Nothing” ist zweifellos das Kernstück der Platte. Um was geht es auf dieser Komposition?

Neal Morse: Von der textlichen Seite her hat das Stück schon sehr deutlich autobiographische Züge. Es handelt von einem Guy, der Musik macht, davon vollkommen überzeugt ist und dessen Pläne von den Machenschaften der Musikindustrie über den Haufen geworfen werden. Die LInes ”No, no no corporate ladder, no homotown parade, the fat cats just keep getting fatter, what does it matter, the thing must be played” erinnern mich sehr an die Anfänge von Spock’s Beard. Ich mag sie sehr. Unser Ziel als Band war es nie, reich oder irgendwas in dieser Richtung zu werden. Wir wollten einfach immer nur unsere Musik spielen. Das ist auch heute noch so.

inHard: Wodurch zeichnet sich deiner Meinung nach der Spock’s Beard-Sound aus?

Neal Morse: Unsere Stärke liegt vor allem darin, das wir von allem etwas nehmen. Wir sind da total offen. Natürlich stehen wir nach wie vor auf hübsche Vokalpassagen, die sich mit harten Gitarrenriffs und Keyboardlinien verbinden. Jedes Bandmitglied bringt seine vielfältigen Einflüsse ein, wobei es schließlich die Aufgabe des Hörers ist, alles auseinander zu sortieren.

inHard: Kannst du mir deine drei Lieblingsalben nennen?

Neal Morse: Klar: ”Close To The Edge” von Yes, ”White Album” von den Beatles und ”Red” von King Crimson.

inHard: Und deine drei Lieblings-Bands/Künstler?

Neal Morse: Beatles, Yes, Peter Gabriel.

inHard: Warum sollte man heutzutage Progressive-Rock hören?

Neal Morse: Ich denke einfach, die Musik, die wir machen, ist die beste. Nenn’ sie Prog oder wie auch immer. Menschen mit den unterschiedlichsten, musikalischen Geschmäckern mögen uns. Ich möchte mich an dieser Stelle auch ganz besonders bei den deutschen Fans bedanken.

David Comtesse