Die dänischen Deathmetaller Illdisposed machen momentan mächtig auf ”Retro”. Näheres erfuhr inHard von Schlagzeuger Rolf Hanson.

Ist euer aktuelles Album ”Retro” womöglich eine Retrospektive auf vergangene Tage?

Eher eine Odyssee von einem Wechsel zum nächsten. Zuerst verließ uns Ronnie Bak, um sich einen lebenslangen Traum zu erfüllen: Er wollte lieber ein Baker sein! Dann standen wir sozusagen als Bandtorso bei Invasion Records unter Vertrag. Ein großer Fehler, denn wir wurden dort miserabel betreut. Dank eines Freundes kamen wir aus dem Vertrag wieder heraus und wandten uns an das Diehard-Plattenlabel. Nun wollten wir Ronnie durch unseren Tourfahrer ersetzen. Das war selbst für uns zu mies, und da hieß es schnell goodbye. Wir versuchten es mit einem zweiten Bass-Spieler. Vergebens! Der Typ wusste nicht, worauf es ankam. Statt seiner haben wir jetzt Jacob Hansen in der Truppe. Er ist Gitarrist bei Infernal Torment und macht seine Sache wirklich gut.

Du willst also damit sagen, dass all diese Umstände zu einer ungewollt langen Unterbrechung geführt haben?

Ja, aber jetzt rammen euch Illdisposed wieder dröhnende Musik durchs Nasenbein.

”Retro” ist ein sogenanntes ”Tribute”-Album. Warum habt ihr all diese Bands von früher gecovert?

Weil Black Metal definitiv tot ist! Und zwar keine Sekunde zu früh! Und all die Kindsköpfe, die Black Metal zum härtesten Ding überhaupt erhoben haben, mit den Wurzeln des brutalsten Metals konfrontiert werden müssen! Gnade Gott all den armen Bastarden, die wirklich glauben, der schlimmste Augenblick des Metals sei der gewesen, als in Norwegen eine 1000 Jahre alte Stabkirche von ein paar Stumpfvisagen niedergebrannt wurde. Die sollen erstmal das Beten im Hause des wahren Death Metal lernen! – Unsere Band will die Vergangenheit mit ihren unvergesslichen Momenten aufleben lassen, als die Szene zu brodeln und zu beben begann. Wir huldigen nicht der einen oder anderen Band, sondern dem ganzen Musikgenre. Unser ”Retro” wurde für die Fans recorded, die den Illdisposed-Sound lieben. Alle Tracks sind sorgfältig ausgewählt, um die Einsicht zu schärfen, was den Death Metal der 80iger Jahre überhaupt ausgemacht hat.

Hardrock-/Metal-Bands wie AC/DC und Motörhead unterscheiden sich eklatant von Carcass und Dark Throne, den Vertretern des Black/Death Metals. Habt ihr für beide Richtungen ein offenes Ohr?

Seit es AC/DC und Motörhead gibt, haben sie neben anderen Bands viel zur Weiterentwicklung der Metalszene beigetragen. Wir sind ergebene ”Diener” beider Bands. Auf ”Retro” sind sie deshalb vertreten. Ob wir ihretwegen offener geworden sind, weiß ich nicht. Jedenfalls höre ich bevorzugt Metal und Rock.

Welcher Song auf ”Retro” lässt dir vor Stolz die Brust schwellen?

”Cromlech” von Dark Throne, weil es genauso voll dröhnt, wie ich das haben wollte. Dieser Song ist der lebende Beweis meiner Theorie, dass die Jungs bei Dark Throne einer Verblödungsattacke zum Opfer gefallen sind, als sie anfingen, ”Black” zu spielen. Da mussten sie ihr Denkorgan nicht mehr so anstrengen und spielten einfach schsch...sch...

Themawechsel: Die Vorbereitungen für euer nächstes Studioalbum sind bereits angelaufen?

Ja, wir haben schon über 8 neue Songs parat. Mit ‘ner Menge Energie und Illdisposed-Vehemenz. Das Arbeitspensum war in nur 16 Tagen bewältigt. Ich hab’ Gitarre und Bass gespielt, während die Jungs ein Bier nach dem anderen herunterkippten...

Wann wird das Album denn 2001 fertig sein?

Keine Ahnung! Diese Weihnachten – wegen der feierlichen Stimmung – hauchen wir dem Album erstmal den richtigen Geist ein. Und dann folgt irgendwann die Tournee nach Deutschland.

Noch ein persönliches Statement an die lieben inHard Leser?

Wenn ihr ”Retro” hören könntet und dabei das Spiel der dt. Mannschaft im Wembley Stadion gesehen hättet und dann noch den Ferrari Schumi in Suzuka als Sieger, dann hättet ihr wie ich damals im Oktober ein supertolles Wochenende verbracht! Thanks and good luck for all Germans!

Verena Sturm